Die “World Dream” schnuppert bald Nordseeluft

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Mit gespannten Blicken schauen die Verantwortlichen der Papenburger Meyer Werft in diesen Tagen auf die Windvorhersage. Der Grund: Am Wochenende soll das neue Kreuzfahrtschiff der Werft, die “World Dream”, auf der Ems in Richtung Nordsee überführt werden. Der genaue Starttermin ist noch unklar und wird frühestens am Donnerstag festgelegt. “Unser Ziel ist natürlich, das erste mögliche Zeitfenster mit vernünftigen Bedingungen zu nutzen”, sagte Werftsprecher Peter Hackmann am Mittwochnachmittag gegenüber NDR.de. “Genauere Aussagen haben derzeit aber noch keinen Sinn.” NDR.de wird die Überführung wie gewohnt live im Videostream übertragen.

Starke Böen gefährden Überführung

Letztlich kommt es bei der Terminfindung im Wesentlichen auf zwei Faktoren an: den Wind und die Höhe des auflaufenden Wassers in der Ems. Während die Tide laut der aktuellen Wasserstandsvorhersage des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten und Naturschutz (NLWKN) voraussichtlich keine Probleme bereiten wird, sieht es in Sachen Wind kritischer aus. Zwar soll die Stärke bis zum Wochenende etwas nachlassen, doch heftige Böen sind nicht ausgeschlossen. “Auf gleichmäßigen Wind kann sich der Kapitän relativ gut einstellen”, erläuterte Hackmann. “Wenn das Schiff jedoch bei einer Brückenpassage von einer Böe erwischt  würde, wäre das ziemlich uncharmant.” Bei Windstärken von fünf aufwärts sei eine Überführung daher zu riskant.

Experten fällen Entscheidung gemeinsam

Zur Festlegung des Termins kommen Fachleute vom Wasser- und Schifffahrtsamt Emden, dem NLWKN, der Emder Lotsenbrüderschaft und der Meyer Werft am Donnerstag zu einer Besprechung zusammen. “Dort legen die Experten die Prognosen auf den Tisch und dann wird gemeinsam geschaut, zu welchem Zeitpunkt die Bedingungen für die Überführung am besten sind”, so Hackmann. Die Entscheidung falle im Team, das letzte Wort habe allerdings das Wasser- und Schifffahrtsamt, das die sogenannte wasserschifffahrtspolizeiliche Genehmigung für die Passage erteilen muss. Hackmann betonte, dass sonstige Faktoren wie Dunkelheit, Regen oder Besucherfreundlichkeit beim Entscheidungsprozess keinerlei Rolle spielen.

Gandersum muss wegen Überführung Wahllokal verlegen

Nicht einmal die Bundestagswahl kann das Schiff stoppen. Traditionell wird in Gandersum im Gebäude des Emssperrwerkes gewählt. Weil im Juni bei der Planung der Bundestagswahl nicht ausgeschlossen werden konnte, dass die “World Dream” ausgerechnet am Tag der Wahl überführt wird, können die rund 100 wahlberechtigten Gandersumer diesmal nicht wie gewohnt im Gebäude des Emssperrwerks wählen. “Wir mussten ganz sicher sein, dass die Räumlichkeit zur Verfügung steht”, sagte der Leiter des Ordnungsamtes der zuständigen Gemeinde Moormerland, Oswald Janßen, NDR.de. “Schließlich können wir durch das Kreuzfahrtschiff ja nicht die ordnungsgemäße Durchführung der Wahl gefährden.” Statt im Emssperrwerk wird daher zum ersten Mal im Dorfgemeinschaftshaus gewählt, auch wenn die “World Dream” Gandersum dann vermutlich schon längst passiert haben wird.

(Quelle + Foto: ndr.de)