MBE-Aktionstag: Migrationsberatung mit Zukunft beim DRK

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Josef Wittrock, Helen Wessels, Nadja Wilken, Jens Beeck (FDP), DRK-Vorstandsvorsitzender Thomas Hövelmann, Kerstin Hemker und Albert Stegemann (CDU; v.l.n.r.) trafen sich in Meppen zum Gespräch über die Zukunft der Migrationsberatung.

Anlässlich des Aktionstags der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) lud das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Bundestagsabgeordnete aus der Region zu einem Gespräch über Finanzierung und Zukunft der Integration ein.

Albert Stegemann (CDU) und Jens Beeck (FDP) informierten sich bei dieser Gelegenheit über die aktuelle Situation vor Ort und zeigten sich beeindruckt von der umfangreichen Arbeit der DRK-Migrationsberatungs- und Kontaktstelle, die neben den DRK-Geschäftsstellen in Papenburg, Meppen und Lingen auch viele kleinere Gemeinden, vor allem im nördlichen Emsland, abdeckt. Thomas Hövelmann, Vorstandsvorsitzender des Kreisverbands, betonte bei dem Gespräch, dass die Finanzierung der Beratung und Integration langfristig gewährleistet sein müsse: „Integration ist ein Prozess, der oftmals erst über mehrere Generationen sichtbar wird.“ Zudem sei eine sukzessive Erhöhung der finanziellen Mittel notwendig, um Tarifangleichungen anzupassen.

„Bundesweit sind die Beratungszahlen laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. So fanden 2014 175.000 Personen Rat und Unterstützung, 2017 waren es schon 301.000. Pro Vollzeitkraft bedeutet das 370 Beratungsfälle – das ist der ungünstigste Beratungsschlüssel seit Beginn der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) im Jahr 2005“, so Helen Wessels, Bereichsleitung Migration beim DRK im Emsland. Dennoch konnte laut BAMF der Bedarf an Beratung bei Weitem nicht gedeckt werden. Für 2019 rechnet das BAMF mit einem weiteren Anstieg auf 320.000 Ratsuchende, beispielsweise durch Unionsangehörige im Rahmen der Freizügigkeit oder auch wegen des gestiegenen Fachkräftebedarfs aus Drittstaaten. Um eine nachhaltig gute Beratungsqualität zu gewährleisten, müsse mittelfristig die Beratungszahl auf 150 pro Vollzeitkraft gesenkt werden, da sind sich die Wohlfahrtsverbände einig. Neben der Beratung gehören zu den Aufgaben der MBE zudem auch Gruppenangebote, Netzwerkarbeit, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Mitwirkung bei der interkulturellen Öffnung, für die es ebenfalls Kapazitäten bedarf. „Im Emsland lagen die Beratungsanfragen insbesondere in den letzten Jahren fortlaufend mit rund 450 Fällen pro Vollzeitstelle weit über den Vorgaben. Die Berater stoßen damit an ihre Grenzen.“, führt Wessels aus.

Der DRK Kreisverband Emsland e.V. ist bereits seit 1949 mit dem Suchdienst und der Familienzusammenführung betraut und berät seit über 30 Jahren im Bereich Migration und Integration.  Schwerpunkt der Arbeit bildet seitdem die Beratung von Zugewanderten. Darüber hinaus initiiert das DRK immer wieder zahlreiche Integrationsprojekte. „Aktuell sind dies beispielsweise das Haus Global, ein interkulturelles Begegnungshaus unter Einbindung Ehrenamtlicher an der Papenburger Kirchstraße, der Begegnungsbus „Wir vor Ort“, mit dem in kleineren Ortschaften Integrationsangebote geschaffen werden, sowie das Gemeindedolmetscherprojekt NIDO in Kooperation mit dem Ethnomedizinischen Zentrum e.V.“, so Josef Wittrock, Fachbereichsleiter Jugend, Familie und Soziales beim DRK.

Anhand von Beispielen gaben Nadja Wilken und Kerstin Hemker (MBE-Beraterinnen beim DRK in Meppen und Lingen) Einblicke in ihre tägliche Arbeit, die neben der Beratung einen nicht unterschätzbaren Beitrag zum sozialen Frieden beiträgt, wovon auch Stegemann und Beeck sich an diesem Tag überzeugen konnten.

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