ELTERNTAXIS GEFÄHRLICH FÜR SCHUL- UND KITAKINDER

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„Es ist ein Wunder, dass bisher kein Autofahrer ein Kind angefahren hat“, sagt Karin Schmidt von der Mittelkanalschule. Sie ist besorgt, weil der Verkehr der sogenannten Elterntaxis vor der Schule in den vergangenen Jahren stark zugenommen hat. „Auch wenn es trocken und sonnig ist, werden viele Kinder mit dem Auto gebracht. Dadurch verstopft nicht nur die Straße, es ist auch sehr gefährlich für die Jungen und Mädchen. Wer immer nur mit dem Auto gebracht wird, lernt überhaupt nicht, sich im Verkehr sicher zu bewegen“, sagt Schmidt.

Die gleichen Erfahrungen hat auch Marianne Schwaab von der Kita Regenbogenland gemacht. „Durch die vielen, gerade großen Autos wie SUV, können die Kinder die Straßen nicht mehr einsehen. Vor allem die kleineren Kinder können Entfernungen und Geschwindigkeiten nicht einschätzen. Bereits wenn ein Auto 10 oder 20 Km/h fährt, kann es zu schweren Verletzungen kommen“, sagt Schwaab.

“ES MUSS WOHL ERST EIN KIND UMGEFAHREN WERDEN”

Das Problem ist auch im Papenburger Rathaus bekannt. „Wir appellieren seit Jahren an die Eltern, den Wagen stehen zu lassen. Leider verhallen unsere Hinweise bei den Eltern oft folgenlos. Es muss wohl erst ein Kind umgefahren werden, bis hier ein Umdenken einsetzt“, seufzt auch Birgit Lelonek, Fachbereichsleiterin Soziales/Schule/Jugend/Sport. Immer wieder werden von den Schulen und Kindergärten Warnhinweise an die Verwaltung herangetragen, dass der zunehmende Elterntaxi-Verkehr die Schüler und Kita-Kinder gefährdet. „Noch vor zehn oder fünfzehn Jahren war es die Ausnahme, dass ein Kind mit dem Auto zur Schule oder zur Kita gebracht wurde. Bei den allermeisten Schülern und Kita-Kindern sind die Entfernungen zur nächsten Schule oder Kita maximal zwei Kilometer. Heute wird die Mehrzahl der Jungen und Mädchen selbst bei dieser kurzen Strecke mit dem Auto gebracht“, resümiert Lelonek. „Das ist für alle Beteiligten höchst gefährlich. Hier muss ein Umdenken stattfinden. Eltern sollten ihre Kinder öfter zu Fuß oder mit dem Rad bringen.“

MANCHMAL WERDEN VERWARNGELDER FÄLLIG

Genauso sehen es auch Papenburgs Ordnungsamtsleiter Matthias Heyen und Gerd Müßing von der Polizei Papenburg. „Wir registrieren von Jahr zu Jahr, dass die Verkehrssituation vor unseren Schulen und Kitas angespannter wird. Dabei können wir annähernd täglich beobachten, dass einige Eltern mit ihren Autos sogar Gehwege blockieren oder Haltverbote schlicht ignorieren.“  Auf das eigene Fehlverhalten angesprochen reagierten die meisten Eltern einsichtig, sagen beiden übereinstimmend. Leider komme es aber immer auch wieder vor, dass Eltern sehr uneinsichtig und egoistisch reagierten, sodass ein Verwarngeld in Höhe von 20 Euro erhoben werden müsse.

EINRICHTUNG VON AUTOFREIEN ZONEN EINE MÖGLICHE LÖSUNG?

Heyen: „Wenn die Entwicklung sich so fortsetzt müssen wir im Interesse der Verkehrssicherheit an der einen oder anderen Einrichtung über neue Verkehrsregelungen nachdenken. Es gibt Beispiele in anderen Kommunen, die den Nahbereich von Schulen oder Kitas zu autofreien Zonen erklärt haben. Dort müssen die Eltern in Kauf nehmen, dass sie ihre Kinder nicht bis vor die Eingangstür bringen können, sondern einige hundert Meter entfernt ihr Auto abstellen müssen.“ Die einfachste Lösung für alle wäre natürlich, wenn einfach mehr Eltern auf ihr Elterntaxi verzichten oder eine Fahrgemeinschaft bilden würden.

BU: Kinder flitzen kurz vor einem Auto noch über die Straße: Situationen wie hier auf dem Hümmlinger Weg vor der Mittelkanalschule gibt es vor vielen Schulen und Kitas im Stadtgebiet. Polizei, Ordnungsamt, Schulen und Kitas fordern die Eltern auf, ihre Kinder öfter zu Fuß oder mit dem Rad zu bringen.

(Quelle/Foto: Stadt Papenburg)